Wissen Sie, was "Sodium Laureth Sulfate" ist? Auch die deutsche Übersetzung – "Natriumlaurylethersulfat" – hilft nicht weiter. Klingt irgendwie gefährlich, ist es aber nach derzeitigem Wissen nicht. Denn immerhin kommen mit der Substanz viele täglich in Kontakt. Sie ist ein typischer Bestandteil von Shampoos. Hinter der kryptischen Bezeichnung verbirgt sich ein chemischer Stoff, ein sogenanntes Tensid. Tenside verleihen dem Shampoo seine Wirkung. Sie lösen das Fett von den Haaren und schäumen bei Kontakt mit Wasser.
Neben Tensiden enthalten Shampoos noch zehn bis zwanzig weitere Bestandteile. Welche das im Einzelnen sind, variiert von Hersteller zu Hersteller. Manche Substanzen stabilisieren das Produkt und machen es haltbar, andere sollen die speziellen Wirkungen des Haarwaschmittels entfalten. So kommen zum Beispiel pflegende Stoffe wie Panthenol, bestimmte Proteine oder Pflanzenextrakte in der Rezeptur vor. „Conditioner“ wie Ceramide oder Silikone bewirken, dass sich das Haar weicher und glatter anfühlt, sich leichter kämmen lässt.
Ein Shampoo soll Glanz, Kraft und Fülle verleihen. Dafür bestehen die Mittel aus zahlreichen Bestandteilen
Duftstoffe sorgen dafür, dass ein Shampoo beispielsweise nach Vanille oder Pfirsich riecht. Manchmal wird dadurch auch ein unangenehmer Eigengeruch des Produktes übertüncht. Bezeichnungen wie „Parfum“, „Linalool“, „Geraniol“ oder „Coumarin“ weisen auf Duftstoffe hin.
Daneben setzt sich ein Shampoo aus diversen Hilfsstoffen zusammen. Substanzen wie „Sodium chloride“ (Kochsalz), „Citric Acid“ (Zitronensäure) oder „Tetrasodium EDTA“ stabilisieren das Haarwaschmittel. Konservierungsstoffe – zum Beispiel „Benzyl Alcohol“ oder „Methylparaben“ – machen das Produkt haltbar und verhindern, dass sich Keime ansammeln. Feuchthaltemittel wie „Benzyl Benzoat“ verhindern, dass das Shampoo in der Flasche austrocknet. Sogenannte UV-Absorber, etwa „Benzyl Salicylat“, bewirken, dass die Farbe des Shampoos erhalten bleibt und nicht durch Sonnenlicht zersetzt wird. Farbstoffe finden sich unter Begriffen wie „CI 14700“. Mit den größten Anteil eines Shampoos macht schlichtweg Wasser aus, angegeben als „Aqua“.
Birgt dieser Chemie-Cocktail auch Risiken für die Gesundheit? Immer wieder geraten Inhaltsstoffe aus Kosmetika in die Schlagzeilen. Manchmal lässt sich schwer überprüfen, was an den Behauptungen dran ist. 2004 schrieben britische Forscher, dass sie Parabene in Gewebeproben von Brustkrebs-Patientinnen gefunden hatten. Der Wirbel war daraufhin groß, da sich diese Konservierungsmittel in zahlreichen Kosmetika – auch Shampoos – befinden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet jedoch, dass es derzeit keinen wissenschaftlichen Beweis für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Parabene gebe.
Auch künstliche Moschusverbindungen werden von manchen Verbraucherschützern kritisiert. Diese Substanzen können sich im Fettgewebe und der Muttermilch anreichern, schreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ob sich Moschusverbindungen negativ auf den menschlichen Körper auswirken, ist jedoch noch nicht geklärt. Die Substanzen dienen als Duftstoffe und sind oft der Angabe „Parfum“ untergeordnet.
Manche Tenside, zum Beispiel Natriumlaurylsulfat, schäumen besonders gut beim Haare waschen und reinigen intensiv. Allerdings kann es dadurch passieren, dass die Kopfhaut – zumindest bei empfindlichen Personen – zu trocken wird. Die Haut reagiert gereizt, kann jucken und sich röten. Doch es gibt auch Shampoos mit milden Tensiden, die eine sensible Kopfhaut schonen und trotzdem die Haare von Fett und Schmutz befreien. Lassen Sie sich dazu am besten in der Apotheke beraten.
Während Tenside üblicherweise keine Allergien auslösen, sondern die Haut nur irritieren können, sind Konservierungs-, Duft- und Farbstoffe recht häufig für Allergien verantwortlich. Oft handelt es sich um eine Kontaktallergie. Dabei reagiert der Körper auf ein bestimmtes Allergen mit starkem Juckreiz und Rötung. Die „Kontaktstelle“ kann sich zudem schuppen, oder es bilden sich kleine Quaddeln. „Meist haben die Patienten die Allergie aber nicht primär durch das Shampoo erworben, sondern waren bereits davor schon einmal dem Allergen ausgesetzt und haben sich sensibilisiert“, erklärt Dr. Johannes Geier vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK). Der Verbund erfasst Kontaktallergien und wertet sie wissenschaftlich aus.
Die Duftstoffe, die europaweit am häufigsten bei Menschen Allergien auslösen, müssen die Hersteller seit 2005 einzeln auf Kosmetikprodukten angeben. Unter diesen 26 potenziellen Allergenen befinden sich Substanzen wie Isoeugenol, Hydroxycitronellal oder Zimtaldehyd. „Es werden aber noch viele weitere Duftstoffe eingesetzt, die die Hersteller nicht einzeln deklarieren müssen“, sagt Geier.
Chlormethylisothiazolinon ist das Konservierungsmittel, das zu den mit am intensivsten allergologisch untersuchten Konservierungsstoffen überhaupt gehört. Dieses Stoffgemisch hat in den 80er und 90er Jahren zu heftigen Kontaktallergien auf der Haut geführt. Infolgedessen wurde das Mittel aus Cremes und Lotionen weitgehend verbannt. „In letzter Zeit wird die Substanz aber wieder mehr eingesetzt, besonders in Shampoos“, merkt Professor Thomas Fuchs, Leiter der allergologischen Abteilung in der Hautklinik Göttingen, an. Allerdings in niedrigeren Konzentrationen als früher. Zudem verweile das Konservierungsmittel – angewendet im Shampoo – kürzer auf der Haut. Das Risiko für Kontaktallergien sei daher derzeit noch unsicher.
Parabene – wie Methylparaben – und Silikone, beispielsweise Dimethicon, bereiten entgegen einiger Behauptungen wohl keine Probleme. „Parabene und Silikone spielen als allergieauslösende Stoffe eine untergeordnete Rolle“, beruhigt Fuchs.
Wer weiß, welche Stoffe bei ihm eine allergische Reaktion auslösen, sollte versuchen, sie zu meiden. Dabei hilft die sogenannte INCI-Deklaration (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients). Anhand dieser gesetzlichen Vorschrift wird geregelt, wie die Hersteller Inhaltsstoffe auf Kosmetikverpackungen angeben müssen. Meist klingen die Bezeichnungen englisch, was zum Beispiel im Fall von Zitronensäure zutrifft. Auf der Shampoo-Flasche steht der englische Begriff „Citric acid“. „Aqua“ stellt allerdings die lateinische Bezeichnung für Wasser dar. „Durch die INCI-Nomenklatur tragen Kosmetikinhaltsstoffe international einheitliche Bezeichnungen “, sagt ein Sprecher vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Durch die einheitliche Kennzeichnung können Menschen – zumindest überall in der EU – einfacher die Stoffe identifizieren, auf die sie allergisch reagieren.
Generell gilt: Shampoos, die kein Parfum und keine Farbstoffe enthalten, sind für die Haut verträglicher. Ohne Konservierungsmittel kommt ein Fertig-Shampoo nicht aus, da es dann von Keimen befallen wird und schnell verdirbt. In der Apotheke gibt es Haarwaschmittel, die dermatologisch getestet wurden und damit hautfreundlich sind.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
19.03.2010, aktualisiert am 21.02.2012
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